Ja, die Schweizer können auch Whisky herstellen! Das stellen nicht zuletzt die immer wieder tollen und oft sehr innovativen Abfüllungen der in Deutschland vermutlich bekanntesten Marken Säntis und Langatun immer wieder unter Beweis. Auf der Whisky´n´More in Hattingen im März bin ich nun aber über eine Brennerei gestolpert, die mir bis dahin völlig unbekannt war. Brand Ambassador Detlef Sommer schenkte mir am Stand vom deutschen Importeur Prineus die drei aktuell in Deutschland erhältlichen Abfüllungen von Orma ein. Dabei handelt es sich um den zehn Jahre alten X mit der wirklich spannenden Fasskombination aus Pinot Noir und kanadischem Ahornsirup, den In Lain mit Finish in Fässern aus Arvenholz aus dem Schweizer Engadin, wo diese Bäume neben Lerchen vorherrschen, und dem Peated aus dem Weißwein Barrique. Da aber ein Messeeindruck manchmal trügen kann, weil man einfach viel zu wenig Zeit für die verschiedenen Whiskys hat, gab mir Detlef von allen drei Abfüllungen noch Samples mit, die ich nun ganz in Ruhe und mit viel Zeit auf der heimischen Couch noch einmal probieren kann.
Donnerstag, 16. April 2026
Orma Swiss Whisky: X, In Lain und Peated
Ich schenke mir zunächst den X ein, der erst einmal sehr fruchtig und süß in der Nase daherkommt. So bietet der Tropfen einen süßen Kirschlolli, der mit frischen Beeren, Kirschen und Pflaumen kombiniert wird. Dazu gesellen sich aber auch rote Trockenfrüchte und ein süßer Apfel. Ich entdecke außerdem etwas Milchschokolade mit Kakao-Nibs sowie ein wenig Zimt. Eine würzig-holzige Note bleibt dezent im Hintergrund. Geschmacklich gibt es dann mehr getrocknete als frische Früchte, gleichzeitig nimmt die Milchschokolade nun mehr Raum ein. Die außerdem wahrnehmbare Karamellsüße wird dann einer leicht säuerlichen Mischung aus Orange und Mandarine begleitet. Im Abgang bleiben Kakao und Karamell lange hängen.
Weiter geht es mit dem In Lain und seinem sehr ungewöhnlichen Finish im Arvenholz-Fass. Tatsächlich musste ich erst einmal Google bemühen, um herauszufinden, dass Arve ein anderer Begriff für die Zirbelkiefer ist. Schon beim Einschenken in sicherer Entfernung zur Nase blitzt die erste Holznote auf. Wenn man dann die Nase dichter ans Glas führt, dann fühlt man sich in den Wald versetzt, denn neben süßen Aromen gibt es Kiefernadeln, Tannenzapfen und frisches Holz. Ein kräftiger Waldhonig stemmt sich gemeinsam mit frischen Kräutern gegen die übrigen Noten, aber ich glaube nicht, dass ich schon einmal einen Whisky im Glas hatte, der mich mehr in den Wald versetzt hat. Am Gaumen bleibt dieser Eindruck absolut bestehen, allerdings ist das Kieferaroma nun noch deutlicher zu erkennen. Würde man einen Smoothie aus Kiefernnadeln, Tannenzapfen und Honig machen, würde das vermutlich genauso schmecken.
Zum Finale kommt dann der Peated, den ich von der Messe als eher speziell in Erinnerung habe. Und tatsächlich bestätigt das erste Schnuppern am Glas diesen Eindruck. Zwar gibt es süße Weingummis aus einer frisch geöffneten Tüte, aber es gibt es auch den ebenfalls gerade frisch aus der Packung befreiten brandneuen Fahrradschlauch. Dahinter verbergen sich noch leicht holzige Noten und natürlich auch eine gute Portion Rauch. Am Gaumen geht es dann erst einmal sehr mild und süß los, wobei ich auch hier wieder an helle Weingummis denken muss. Neben dem Gummi kommt dann auch der Rauch wieder durch, gleichzeitig auch geöltes Metall. In der Beschreibung von Orma ist auch von einer Eisenbahnschwelle die Rede, tatsächlich kann ich das sehr gut nachvollziehen. Orma spricht auch davon, dass dies ein Whisky ist, der polarisiert. Das sehe ich genauso und meinen persönlichen Geschmack trifft er leider nicht.
Das war auch jeden Fall eine sehr interessante und spannende Verkostungsreise in die Schweiz! Der X hat mir dabei mit Abstand am besten gefallen, die Kombination aus fruchtigen Noten, Schokolade und Gewürzen ist richtig toll. Der In Lain gehört schon in die Kategorie "speziell", aber dieser flüssige Wald gefällt mir gar nicht so schlecht, auch wenn es sicherlich kein Tropfen für jeden Tag (und auch nicht für jedes Wochenende) ist. Spannend ist der Whisky aber allemal. Der Peated hat meinen persönlichen Geschmack leider nicht getroffen, aber ich glaube, es ist auch gar nicht die Zielsetzung, dass dieser Whisky ein Everybody´s Darling sein soll. Mir persönlich ist es zu viel Gummi und zu viel geöltes Eisen, aber auch dafür wird es sicherlich Fans geben. Insgesamt ist das Preisgefüge natürlich für den deutschen Markt eher ambitioniert, aber das würde mich gar nicht so sehr abschrecken. Ich bin aber sehr gespannt darauf, was in Zukunft noch so nach Deutschland kommt von Orma, denn die Bandbreite war allein bei diesen drei Abfüllungen schon enorm groß.
Übersicht der verkosteten Whiskys:
Orma X, Swiss Single Malt Whisky, 10yo, Pinot Noir Cask, Finish im kanadischen Ahornsirup Cask, 44%, ca. EUR 180,-
Orma In Lain, Swiss Single Malt Whisky, NAS, Finish im Arvenholz Cask, 44%, ca. EUR 180,-
Orma Peated, Swiss Single Malt Whisky, NAS, Bündner Herrschaft Weißwein Barrique, 44%, ca. EUR 180,-
Die Samples wurden mir freundlicherweise kostenlos von Detlef Sommer von Orma Swiss Whisky auf der Whisky´n´More in Hattingen zur Verfügung gestellt.
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