Samstag, 18. September 2021

Blogger- und Vloggertreffen bei der Stork Club Rye Whiskey Distillery

So langsam wird es schon zu einer schönen Tradition, dass sich die deutschsprachigen Blogger und Vlogger ein- bis zweimal im Jahr in einer der vielen spannenden Destillerien Deutschlands treffen. Anfang September gab es bereits die vierte Auflage, wobei ich persönlich die beiden vorangegangenen Ausgaben aus verschiedenen Gründen verpasst habe und somit erst zum zweiten Mal dabei war. Als Treffpunkt hat diesmal die Stork Club Rye Whiskey Distillery in Schlepzig im Spreewald ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Knapp 30 Whisky-Nerds aus ganz Deutschland haben sich auf den Weg in den Spreewald gemacht, um dort einen wirklich tollen Tag miteinander verbringen zu können. Für meine Frau und mich ging die Reise schon sehr zeitig um kurz vor 07:00 Uhr los, denn wir wollten gerne dem Stau rund um Berlin entgehen. Das ist uns mit einem kleinen Umweg gelungen, so dass wir uns mit einigen anderen Frühankömmlingen auf der Terrasse des Hotels mit einem frisch gezapften Bier erfrischen konnten. Schon hier merkte man ganz deutlich, wie sehr sich alle auf den Tag gefreut haben.


Mit dem Shuttle Bus wurden wir dann am frühen Nachmittag in kleinen Gruppen zur Destillerie gefahren. Dort fiel mir zunächst das leckere Snack-Büffet ins Auge, denn ich hatte leider noch gar nichts Richtiges gegessen. Tolle Wurst- und Käsevariationen mit Brot und Fassbutter sowie einer schönen Kuchenauswahl warteten auf uns und sorgten für eine gute Grundlage für die folgenden Stunden. Vorher gab es aber noch einen Welcome Drink in Form eines Rosé-Rye, einer Mischung aus deutschem Rosé Wein und Rye Whiskey. Wer die Sendung "Die leckerste Idee Deutschlands" auf VOX gesehen hat, wird den Rosé-Rye daher kennen. Serviert wurde der Drink auf Eis mit einer Orangenscheibe, aufgeschenkt wurde mit Thomas Henry Tonic. Das war definitiv schon einmal ein sehr leckerer Einstieg, obwohl ich eigentlich gar kein großer Tonic-Fan bin. Der pur an einen sehr milden Wermut erinnernde Rosé-Rye passt aber einfach gut zum nicht zu herben Tonic und ist in dieser Kombination sehr sommerlich-erfrischend. Tatsächlich hätte ich das Tonic aber gar nicht zwingend gebraucht, denn auch pur auf Eis schmeckt der Rosé-Rye schon richtig gut.

Nach der Stärkung und einer sehr herzlichen Begrüßung durch unsere Gastgeber und Geschäftsführer der Spreewood Distillers Bastian Heuser und Steffen Lohr ging es dann auf den Kahn. Eine gute Stunde durften wir durch die urige Umgebung fahren und dabei einfach etwas die Zeit im Spreewald genießen. Leider dachten sich das auch unzählige Mücken, die uns offenbar wiederum als ihr Büffet angesehen haben. Auch eine halbe Flasche Mückenspray hat meiner Frau und mir nicht geholfen, so dass ich am Ende mit mehr Mückenstichen wieder nach Hause kam, als ich jemals gleichzeitig gehabt hätte. Dadurch ließen wir uns aber unsere Freude nicht nehmen und als wir wieder am Anleger direkt an der Destillerie ankamen, stürzten wir uns direkt ins nächste Abenteuer in Form einer Tour durch die Brennanlagen und die verschiedenen Fasslager.

Hier lernten wir erst einmal was es mit den Spreewood Distillers bzw. dem Stork Rye Club überhaupt auf sich hat, denn ursprünglich hieß die Destillerie SpreewalDini und der dort hergestellte Whisky war der Sloupisti. Gleichzeitig waren die heutigen Eigentümer in der Barszene und in der Beratung zu Hause. Im Jahr 2016 wollten die drei Gründer eigentlich nur ein Whiskyfass für ihre Agentur kaufen, aber die angefragte Destillerie wollte kein ganzes Fass hergeben. Stattdessen gab es den Tipp mit auf den Weg, dass im Spreewald eine Destillerie verkauft werden sollte. Nach einer ersten Besichigtung stand sofort fest: Das ist genau das, was Berater zu Destilleriebesitzern werden lässt! Nachdem man zunächst noch Rye und Malt Whisk(e)y herstellte, zeigte sich mit der Zeit, dass eine Spezialisierung auf Rye aus verschiedenen Gründen sinnvoll ist. Es gibt zwar in Deutschland auch andere Destillerien, die auch Rye Whisky machen, aber niemand hat sich ausschließlich darauf spezialisiert. Dieses Alleinstellungsmerkmal wird natürlich fürs Marketing genutzt, außerdem hat man aber auch erkannt, dass den Inhabern der Rye doch noch etwas mehr im Blut liegt als Malt Whisky.

Während der Tour durch die Anlagen wurde uns immer wieder vor Augen geführt, dass die Renovierung und vor allem der Aufbau der Produktionsanlagen in vielen Fällen durch Learning by Doing erfolgte. Natürlich ließ man sich beraten, aber einige Wissenslücken haben letztlich auch dazu geführt, dass man Investitionen getätigt hat, die vielleicht in dieser Form nicht nötig gewesen wäre. Das nimmt man heute jedoch einigermaßen locker, denn der Erfolg gibt den Machern durchaus Recht. Das merkt man schon beim New Make, der tolle Aromen mit sich bringt. Dieser wird auf zwei unterschiedlichen Brennanlagen produziert, einer älteren von Carl, die bereits vorhanden war, sowie einer neu angeschafften Anlage von Kothe. Diese Kombination ist sicherlich einzigartig und sorgt mit für den besonderen Charakter der Brennerei. Die Fasslager befinden sich zum einen auf einem Dachboden über den Anlagen, zum anderen aber auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo es noch mehrere Gebäude gibt. In letzter Zeit wird bei der Lagerung auch verstärkt auf Rotweinfässer gesetzt, da diese sich besonders gut mit dem Charakter des New Makes ergänzen.

In den Gebäuden gegenüber lagern übrigens auch noch diverse Fässer von Privatpersonen, denn man kann bei Stork auch ein eigenes Fass konfigurieren und lagern lassen. Etwas größer fallen die Schlaffässer aus, von denen drei Stück auf dem Gelände stehen. Außerdem gibt es eine große Feuerstelle und seit wenigen Tagen auch ein brandneues Mural in Regenbogenfarben. Für uns ging es aber trotzdem wieder zurück in den wirklich sehr gemütlichen Innenhof der Destillerie, wo Bastian uns einmal durch drei aktuelle Abfüllungen der Brennerei führte. Los ging es mit dem eher milden Straight Rye, dem Standard der Brennerei mit 45%. Dieser ist für Whisky-Nerds vielleicht sogar schon etwas zu mild, dabei ist er aber auch eher für Einsteiger und natürlich die Barszene gedacht. Als Basis für Cocktails ist der Straight Rye jedoch aus meiner Sicht perfekt geeignet. Danach folgten ein aktueller Distillery Only mit Reifung in American Oak, der an Gewürze und Schokolade erinnert, sowie der Full Proof, der im Vergleich noch etwas fruchtiger daherkommt und mir an diesem Abend am besten gefallen hat. Den Full Proof werde ich an dieser Stelle in Kürze auch noch einmal ausführlich vorstellen.

Danach ging es darum, den geselligen Abend mit einem hervorragenden Barbecue ausklingen zu lassen. Dabei durften wir uns an der Bar natürlich weiterhin mit Getränken versorgen. Angeboten wurden auch spannende Cocktails wie zum Beispiel der wirklich hervorragende Spreewald Mule, für den 4cl Gurkengeist im Longdrinkglas auf Eis mit Spicy Ginger Ale aufgefüllt werden. Den Gurkengeist finde ich ohnehin schon sehr lecker, aber in Kombination mit dem Spicy Ginger macht er noch mehr her. Sehr positiv überrascht war ich auch von den Pre-Mix-Dosen, die es als Rye mit Ginger und Rye mit Cola mit jeweils 10% Alkohol gibt. Probiert habe ich nur die erstgenannte Variante, aber mir schien hier das Mischverhältnis optimal getroffen worden zu sein. Als finales Highlight durften wir schließlich auch noch gemeinsam ein Fass mit New Make befüllen. In frühestens drei Jahren wird diese Abfüllung auf den Markt kommen, die Erlöse kommen dann einem guten Zweck zugute.

Da aber auch jeder noch so tolle Tag irgendwann zu Ende gehen muss, wurden wir dann gegen Mitternacht wieder grüppchenweise mit dem Shuttle Bus zurück zum Hotel gefahren. Meiner Frau und mir wird dieser Tag im Spreewald sicher noch deutlich länger in sehr guter Erinnerung bleiben, als die unzähligen Mückenstiche uns begleiten werden. Es bleibt die Vorfreude auf den sogenannten Cereal Killer, ein Cereal Infused Rye Whiskey, der auf 500 Flaschen limitiert ist und für den klassische, fruchtige und zimtige Cornflakes verarbeitet wurden. Wir durften schon probieren und ich habe eigentlich nur positive Stimmen gehört. Jetzt bleibt mir aber erst einmal nur ein großes Dankeschön an Whisky Jason für die Organisation und natürlich vor allem an das ganze Team vom Stork, das uns wahnsinnig herzlich und gastfreundlich empfangen hat. Wir werden sicherlich bei Gelegenheit mal wieder im Spreewald vorbeischauen, mindestens aber die spannenden Abfüllungen der nächsten Jahre sehr intensiv im Auge behalten. Ich bin mir sehr sicher, dass sich das lohnen wird!

Meine Frau und ich wurden freundlicherweise kostenlos zu diesem Event eingeladen.

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