Schon auf der Whisky´n´More in Hattingen im vergangenen März hat mir Sebastian Püttmann vom deutschen Importeur der Marke Arran, nämlich Kammer-Kirsch, von einem Experiment berichtet, das er starten möchte. Er hat mir angeboten, mir vier Samples vom Arran 10, den ich grundsätzlich sehr gerne mag, aus vier unterschiedlichen Batches zu schicken. Damit ich unvoreingenommen probieren kann, sollte das Ganze in Form von Blind Samples erfolgen, die nun vor einiger Zeit bei mir eingetroffen sind. Die Neugier war riesengroß, so dass ich mich gemeinsam mit meiner Frau direkt ans Schnuppern und Probieren gemacht habe. Dabei wusste ich nur, dass das aktuellste Batch unter den Samples ist und dazu drei frühere Jahrgänge bzw. Batches kommen.
2020 habe ich mal ganz in Kürze hier auf Drams United im Rahmen eines Arran-Tastings in Hamburg geschrieben, dass der 10er aus der Standard-Range neben Zitrusaromen vor allem Shortbread, eine leichte Nussigkeit und würzige Aromen zu bieten hat. Außerdem habe ich seinerzeit festgestellt, dass die damals aktuelle Abfüllung einen deutlich höheren Sherry-Anteil hatte als der eher Bourbon-lastige Vorgänger. Zumindest mal farblich sind sich die vier Abfüllungen sehr ähnlich, obwohl nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert wird. Im direkten Schnuppervergleich sind dann zunächst alle vier Abfüllungen sehr angenehm. Die Nummer 1 scheint mir etwas mehr dunkle Fruchtaromen zu haben, was auf einen höheren Sherry-Anteil schließen lassen könnte. Die Nummer 2 ist dagegen etwas würziger und insgesamt dezenter. Nummer 3 und 4 sind jeweils etwas zitruslastiger, wobei Nummer 3 frischer wirkt und Nummer 4 eher in Richtung einer Grapefruit tendiert.
Nun soll es aber ans Probieren gehen und ich gönne mir den ersten Schluck aus der Nummer 1. Zitrusnoten mischen sich mit einer süßen Nuss-Nougat-Creme sowie einigen würzigen Noten und viel Karamell. Mit der Zeit mischt sich sogar eine Banane ins Profil. Die Nummer 2 wirkt tatsächlich auf den ersten Schluck etwas herber und würziger als die Nummer 1, dabei ist letztlich die Karamellnote nur etwas angebrannter und kommt später zum Zug. Etwas Minze taucht hier ebenfalls auf. Gleichzeitig sind die fruchtigen Noten nicht so stark ausgeprägt. Nummer 3 wirkt dann wieder etwas frischer und die Zitrus- und Apfelnoten sind deutlich stärker zu erkennen, aber auch die würzigen Noten und das Karamell kommen in Kombination mit etwas Floralität wieder zum Vorschein. Nummer 4 ist dann die fruchtigste Variante, hier kommt der Apfel am stärksten durch, aber auch Zitrusaromen haben wieder ihren Auftritt. Die Würze ist hier etwas zurückhaltender.
Wenn ich raten müsste, dann würde ich sagen, dass Nummer 2 die älteste Abfüllung ist, weil ich vermute, dass hier der Bourbon-Anteil noch etwas höher ist als bei den anderen drei. Der Whisky wirkt etwas würziger und etwas weniger fruchtig. Die Nummern 1, 3 und 4 sind haben dagegen unterschiedlich stark ausgeprägte Apfel- und Zitrusnoten, die aber auch immer mit würzigen Aromen und vor allem sehr viel Karamell kombiniert werden. Hätte ich nicht alle vier Abfüllungen nebeneinander probiert, dann hätte ich vielleicht gar keinen echten Unterschied erkannt, denn die Whiskys sind sehr nah beieinander, haben dann aber doch ihre feinen Unterschiede. Das war auch jeden Fall ein sehr spannendes Experiment!
Tatsächlich ist nach Auflösung durch Sebastian Püttmen die Nummer 4 das älteste Batch, denn diese Abfüllung stammt aus dem Jahr 2019, diese ist für mich am Ende aber auch die rundeste und massentauglichste, was ja für einen zehn Jahre alten Standard auch das wichtigste Merkmal sein sollte. Nummer 3 stammt aus dem Jahr 2021 und die Nummer 1 aus dem Jahr 2023. Etwas überrascht bin ich, dass die für mich unrundeste Abfüllung, nämlich die Nummer 2, das aktuellste Batch dieser Runde ist. Abgefüllt wurde dieser Whisky im Jahr 2024. Ein Standard in diesem Alterssegment sollte doch eigentlich den Massengeschmack treffen, aber obwohl sich das Grundprofil bei allen sehr ähnelt, ist dieses Batch doch etwas unausgewogen und kratzig, so dass es "Nicht-Nerds" vermutlich am wenigsten anspricht. Ich hoffe, dass das Arran-Team hier in Zukunft wieder gegensteuert, denn sonst wird man den geneigten Einsteiger vermutlich weniger begeistern können als in der Vergangenheit.
Die Samples wurden mir freundlicherweise kostenlos von Sebastian Püttmann vom deutschen Importeur Kammer Kirsch zur Verfügung gestellt.


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