Dienstag, 22. Oktober 2019

Bushmills Tasting mit The Whisky Jack (Christiansen´s Hamburg)

Natürlich ist mir Bushmills schon länger ein Begriff, so richtig bewusst habe ich mich aber noch nie mit der Destillerie beschäftigt. Da kam die Gelegenheit eines Tastings im Hamburger Christiansen´s in unmittelbarer Nähe zum Fischmarkt genau richtig. Um den Gästen die insgesamt sieben Whiskys des Abends näherzubringen, war Gearóid O'Callaghan, besser bekannt als The Whisky Jack, vor Ort. Mit viel Fachwissen und seinem irischem Charme präsentierte er uns die verschiedenen Tropfen, ließ den Gästen aber auch zwischendurch immer wieder ausreichend Zeit, um sich mit dem Whiskey zu beschäftigen und sich untereinander auszutauschen. Für mich persönlich muss ich sagen, dass ich zwar mit Nase und Gaumen da war, gedanklich aber immer bei meinem Kater zu Hause geblieben bin. Leider geht es ihm gerade sehr schlecht. Also drückt alle die Daumen, dass er schnell wieder auf die Pfoten kommt.

Zur Begrüßung gab es für die Gäste einen leckeren Irish Coffee, der mit dem Black Bush zubereitet wurde, welcher uns später im Tasting noch einmal pur begegnen sollte. Ich persönlich bin zwar kein Kaffee-Trinker, in der Variante mit irischem Whiskey und Sahne gefällt mir der Stoff, der für viele zum Start in den Tag einfach dazugehört, aber immer wieder ausgesprochen gut. Der eigentliche Start ins Tasting gelang dann mit einem sehr süßen Tropfen. Der Red Bush ist erst seit November vergangenen Jahres in Deutschland erhältlich, da er bis dahin nur für den US-Markt vorgesehen war. Der Whiskey ist eher für den Einsteiger in die Welt des Irish Whiskeys gedacht und soll die Brücke vom Bourbon zu irischen Abfüllungen schlagen. Mit einem recht geringen Alter von vier bis fünf Jahren ist er eher einfach gehalten und somit auch für Mixgetränke gut geeignet. In der Nase gibt es neben Getreidenoten auch viel Karamell und Vanille. Am Gaumen tauchen diese Aromen ebenfalls auf und verbinden sich mit Apfel und einem leicht pfeffrigen Aroma. Je länger der Red Bush im Glas ist, desto mehr entwickelt er sich in die noch süßere Richtung und zeigt sein Bonbon-Aroma.

Weiter ging es mit dem Bushmills Original, der früher als White Bush bekannt war. Hierbei handelt es sich um den absoluten Standard des Hauses, der vielen auch aus dem Supermarkt bekannt sein dürfte. Malt und Grain Whiskey halten sich hier in etwa die Waage, so dass der Malt-Anteil etwas höher ist als beim Red Bush. Der Grain-Whiskey wird übrigens bei Bushmills von anderen Destillerien hinzugekauft, die nach der Rezeptur von Bushmills produzieren, da die Destillerie über keine eigene Column Still verfügt. In der Nase geht es hier deutlich würziger zu, dazu kommen Vanille, Malz und Kräuter. Am Gaumen ist sehr viel Karamell zu erkennen, welches Unterstützung durch leichte Apfelaromen, Eiche, Würze und etwas Nuss erhält. Laut Gearóid ist dieser Whiskey übrigens perfekt für ein Pairing mit frisch gezapften Guinness geeignet, weil sich die Aromen hervorragend ergänzen. Der folgende Black Bush wurde dann deutlich fruchtiger mit Ananas und Dosenpfirsich in der Nase sowie roten und getrockneten Früchten und Karamell am Gaumen. Der Malt-Anteil liegt hier bei rund 80%. Bei allen drei Abfüllungen bekommt man eine Mischung aus Bourbon- und Oloroso-Fässern, beim Black Bush ist der Sherry-Anteil aber mit Abstand am höchsten.

Bei den drei folgenden Abfüllungen handelt es sich ausschließlich um Single Malts. Dabei lernten wir zunächst, dass sich der Name der Destillerie davon ableitet, dass in der Destillerie früher eine Mühle beheimatet war, die am Fluss Bush lag. Noch naheliegender kann eine Namensfindung kaum sein. Außerdem orientiert sich Bushmills zum Teil eher am schottischen Whisky, da die geographische Lage eher eine Nähe zum Nachbarland bietet und die Abfüllungen bis vor einigen Jahren in der Republik Irland, wo ein anderer Stil gepflegt wird, gar nicht besonders bekannt waren. Der zehn Jahre alte Bushmills bot dann Äpfel, Birnen, Nüsse, etwas Zitrus und Ingwer in der Nase, am Gaumen tauchen viel Karamell und ein sehr süßes Apfelmus auf. Dabei wirkt der Whiskey sehr mild und rund. Alle Abfüllungen des Hauses sind übrigens mit Zuckerkulör gefärbt, wobei dieses sehr sparsam zum Einsatz kommt, um den natürlichen Rotstich des Whiskeys nicht zu überdecken.

Es folgte eine Abfüllung, die regelmäßig sehr schnell vergriffen ist. Der 16 Jahre alte Bushmills reift unter anderem in Port Pipes, die nur in begrenzter Menge mit entsprechendem Alter verfügbar sind. In der Nase entwickelt sich dadurch eine Mischung aus fruchtigen und floralen Aromen, wobei rote Trauben, Erdbeeren und Vanille in Kombination mit einem leichten Weinaroma erkennbar sind. Am Gaumen wird es dann sehr komplex mit Karamell, etwas Würze, blumigen Noten, süßer Paprika und etwas Eiche. Im Abgang kommt dann ein leichtes Eichenaroma zum Vorschein. Genau so stellt sich Bushmills seinen Whiskey vor, kann aber eben nicht nur in diesem Segment produzieren, um überhaupt profitabel zu bleiben. Noch eine Schippe drauf legt dann der 21 Jahre alte Bushmills, der zunächst 19 Jahre lang in Bourbon- und Sherry-Fässern reift, bevor er für weitere zwei Jahre vermählt wird und in Madeira-Fässern zur Abfüllreife gebracht wird. Besonders auffällig fand ich das ausgeprägte Orangen-Aroma in der Nase, das von weiteren Zitrusfrüchen, eingekochen Beeren und etwas Leder begleitet wird. Am Gaumen bleiben diese Noten erhalten, werden aber auch von Kardamom, Zimt, viel Würze und einer Mischung Ingwer und Pfeffer begleitet.

Die Bushmills Destillerie hat aktuell einen Auslastungsgrad von ca. 93-94%. Aus diesem Grund ist ein Neubau geplant, um den Markt auch weiterhin in ausreichendem Maße mit den zahlreichen Abfüllungen bedienen zu können. Hierzu gehört seit Kurzem auch The Sexton, ein ca. vier bis fünf Jahre alter Whiskey, der durch seine deutliche Würze besonders gut für Cocktails geeignet ist, und als Zugabe in unsere Gläser kam. In der Nase wird seine Jugend sehr deutlich, aber auch rote Früchte und eine ausgeprägte Süße sind erkennbar. Am Gaumen gibt es dann viel Karamell, Zuckerwatte, Kirschbonbons und eine schöne Cremigkeit. Im Abgang macht sich die Jugend durch eine deutliche Schärfe bemerkbar. Ich fand den Quervergleich durch die Produkte der Destillerie sehr spannend. Selbst im günstigen Segment hat Bushmills einiges zu bieten, was mir bisher in dieser Form nicht bewusst war. Gearóid hat dabei sehr unterhaltsam durch den Abend geführt. Nun muss nach etwas flüssiger Ablenkung nur noch mein Kater wieder richtig gesund werden. Erst dadurch werde ich den Abend im Nachgang als richtig gelungen wahrnehmen können.


Übersicht der verkostenen Abfüllungen:

Bushmills Red Bush, Irish Blended Whiskey, 40%, ca. EUR 20,-
Bushmills Original, Irish Blended Whiskey, 40%. ca. EUR 16,-
Bushmills Black Bush, Irish Blended Whiskey, 40%, ca. EUR 22,-
Bushmills 10yo, Single Malt Irish Whiskey, 40%, ca. EUR 25,-
Bushmills 16yo, Single Malt Irish Whiskey, 40%, ca. EUR 90,-
Bushmills 21yo, Single Malt Irish Whiskey, 40%, ca. EUR 160,-
The Sexton, Single Malt Irish Whiskey, 40%, ca. EUR 30,-

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