Vor einigen Tagen erreichte mich mal wieder ein "Care-Paket" von Kirsch Import, das einige Samples enthielt. Darunter befanden sich auch sechs Abfüllungen vom unabhängigen Abfüller Claxtons, den ich nun schon seit einigen Jahren beobachte, weil mir seinerzeit die sehr auffälligen Flaschen vor fast zehn Jahren in Berlin im heutigen Whiskyhain aufgefallen sind. Tatsächlich klingen auf dem Papier alle sechs Abfüllungen für mich sehr spannend, aber gerade Tobermory und Deanston gehören schon lange zu meinen Favoriten. Besonders gespannt bin ich auch auf den Ardnamurchin, den ich mir aber fürs Finale aufhebe. Um auch mich selbst jetzt nicht länger auf die Folter zu spannen, steige ich direkt ein und orientiere mich mangels anderer sinnvoller Kriterien mit Ausnahme des Rauchs beim Ardnamurchin an den Alkoholstärken.
Dienstag, 30. Juni 2026
Sechs Abfüllungen von Claxtons: Red Comyn, Glenburgie 9yo, Auchroisk 11yo, Deanston 11yo, Tobermory 13yo, Ardnamurchin 8yo
Dieser Idee folgend starte ich also mit dem Tropfen mit dem niedrigsten Alkoholgehalt, nämlich dem zwölf Jahre alten Red Comyn aus den Highlands mit 48%, der ein Finish in Ruby Port Casks erhalten hat. In der Nase kommt der Whisky gleich extrem fruchtig daher mit Erdbeeren, Himbeeren und frisch aufgeschlagener Sahne. Dazu gesellt sich noch ein süßer Biscuit, so dass man fast bei einem Erdbeertörtchen landet. Geschmacklich geht es ganz ähnlich zu, allerdings tritt die Süße nun noch mehr in den Vordergrund und wird von hellem Karamell und vor allem süßen Erdbeeren unterstützt. Eine leichte Zitrusnote zieht sich auch in den Abgang hinein, der aber wieder beerig-süß ausfällt. Ein wirklich toller Starter! Danach bleibe ich beim Port Cask, diesmal allerdings ein Tawny Port und einem Tropfen von Glenburgie, abfüllt mit 50%. Der Whisky wirkt deutlich weniger süß und fruchtig als der erste Tropfen, ich nehme tatsächlich eher Kräuter und minzige Noten wahr. Diese finden sich auch am Gaumen wieder, aber es gesellt sich nun auch eine frische Erdbeere dazu, aber vor allem die Minze bleibt sehr präsent. Erst im Abgang wird die Süße dann deutlich präsenter.
Wir bleiben bei einem Alkoholgehalt von 50%, gehen nun aber zu Auchroisk und einem elf Jahre alten Tropfen aus dem Fresh Sherry Cask. Rote Trockenfrüchte sind hier in der Nase sehr präsent, gleichzeitig aber auch eine leichte Holznote, die aber nicht störend wirkt. Dazu gesellen sich verschiedene Gewürze und eine süße Karamellnote. Der Gaumen ist dann um einiges spannender, als es die Nase verspricht, denn hier gibt es neben den roten Trockenfrüchten wieder Gewürze, jetzt aber auch eine spannende Vollmilchschokolade, kandierter Ingwer, Waldhonig und eine frische Kräutermischung, die sich auch in den langen Abgang hineinzieht. Danach folgt eine meiner liebsten Brennereien überhaupt, nämlich Deanston. Dieser elf Jahre alte Whisky stammt aus dem Oloroso Cask und kommt erneut mit 50% daher. Die Nase bietet hier verschiedene Süße-Levels von malzigen Aromen über Keksteig, der Zuckerschicht von Creme Brullee und Vanillepudding bis zu Zuckersirup. Auch der Gaumen behält sich die entsprechende Süße bei, allerdings jetzt nicht mehr ganz so intensiv süß wie in der Nase, denn die eher zuckrigen Aromen werden nun auch von eher brotigem Getreide begleitet. Der Abgang ist aber lang und am Ende setzt sich dann doch die Süße von Karamell und Creme Brullee wieder durch.
Danach geht es weiter mit der Schwesterdestillerie, nämlich einem 13 Jahre alten Tobermory aus dem Rum Barrel, bei dem der Alkoholgehalt ganz leicht auf 50,5% erhöht wurde. Tendenziell scheinen hier in der Nase eher helle Fruchtaromen durch, wobei Pfirsich, Papaya und Ananas am stärksten vertreten sind, die aber von süßem Karamell und einer leichten Kräuterigkeit begleitet werden. Der Gaumen startet dann noch etwas süßer, aber gleich danach kommen wieder die exotischen gelben Früchte zum Vorschein. Gemeinsam mit etwas Menthol und Eiche ziehen sich diese Aromen bis in den langen Abgang durch. Zum Finale gibt es dann die mit 57,6% vermutlich einzige echte Fassstärke, nämlich einen acht Jahre alten Ardnamurchin aus dem Bourbon Barrel. Die erste Assoziation ist ein Blumenbeet, in dem man gerade sehr intensiv gegraben hat, dazu kommen aber auch karamellisierte Haselnüssen und getrocknete Äpfel. Am Gaumen gibt es dann neben viel Karamell- und Teigsüße auch deutliche Raucharomen, die sich natürlich auch bis in den langen Abgang hineinziehen.
Ich muss sage, dass ich insgesamt eher ein Fan der beiden ersten Abfüllungen bin, was aber auch den hohen Temperaturen bei der Verkostung geschuldet sein kann. Bei knapp 40 Grad Außentemperatur ist das fruchtig-süße Profil des Red Comyn und des Glenburgie auch einfach richtig schön genießbar. An einem herbstlich-regnerischen Tag hätte mir vermutlich der Ardnamurchin mit seiner rauchig-süßen Aromenmischung am besten gefallen. Man muss aber sagen, dass sich die hohe Qualität der Abfüllungen komplett durchzieht, auch wenn die sechs Abfüllungen unterschiedliche Geschmacksprofile bedienen.
Übersicht der verkosteten Whiskeys:
The Red Comyn (Claxtons), Single Malt Scotch Whisky, 12yo, Ruby Port Cask Finish, 48%, ca. EUR 57,-
Glenburgie (Claxtons), Single Malt Scotch Whisky, 9yo, Fresh Tawny Port Cask, 50%, ca. EUR 75,-
Auchroisk (Claxtons), Single Malt Scotch Whisky, 11yo, Fresh Sherry Cask, 50%, ca. EUR 78,-
Deanston (Claxtons), Single Malt Scotch Whisky, 11yo, Oloroso Sherry Cask, 50%, ca. EUR 90,-
Tobermory, (Claxtons), Single Malt Scotch Whisky, 13yo, Rum Barrel, 50,5%, ca. EUR 130,-
Ardnamurchin (Claxtons), Single Malt Scotch Whisky, 8yo, Bourbon Barrel, 57,6%, ca. EUR 118,-
Die Samples wurden mir freundlicherweise kostenlos vom deutschen Importeur Kirsch Import zur Verfügung gestellt.
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