Donnerstag, 1. Oktober 2026

Besuch bei der Mworveld Distillery in Moorveld (Niederlande)

Unsere diesjährige Herbst-Tour ist ja leider etwas kürzer ausgefallen, als wir es ursprünglich geplant hatten, aber einen zweiten Stopp in den Niederlanden, diesmal bei der Mworveld Distillery, konnten wir noch einlegen. Mit Gründer Ger Arts hatte ich mich schon vor längerer Zeit in der Brennerei verabredet, die nur wenige Kilometer nördlich von Maastricht und ca. 30 Kilometer von unserer Ferienwohnung in Loosbroek bei Roermond (schließlich musste ja auch noch etwas Shopping sein) entfernt lag. Bei bestem Sommerwetter im September machten wir uns also auf den Weg nach Moorveld, wo die Brennerei beheimatet ist. Die Ähnlichkeit zwischen dem Ortsnamen und dem der Brennerei ist natürlich kein Zufall, denn Mworveld ist einfach eine Schreibweise im lokalen Dialekt. Gelegen ist sie in einem Teil eines alten und sehr großen Bauernhofes, der vor einiger Zeit zu Wohnungen, Gewerbe, einem Restaurant und eben der Destillerie umgebaut wurde. So entsteht natürlich auch gleich der Vorteil, dass man zwar sehr ländlich unterwegs ist, aber auch direkte Nachbarn hat, die mal in der Brennerei vorbeigucken, gleichzeitig aber auch mit dem Restaurant bei Food-Pairings gemeinsame Sache machen kann.


Um das gleich vorwegzunehmen, leider hatte das Restaurant gerade Betriebsurlaub, als wir in der Brennerei waren, sonst hätten wir gerne auch noch vor Ort gegessen. Schließlich macht so ein Ausflug in eine Brennerei ja auch immer hungrig und mit dem Start um 17:00 Uhr hätte es natürlich hervorragend gepasst. Bei unserem nächsten Besuch müssen wir das dann etwas besser abstimmen. Aber auch ohne Restaurantbesuch hatten wir eine schöne Zeit in der Brennerei. Als wir pünktlich auf den Parkplatz fuhren, wartete Ger schon in der Tür auf uns. Nach einer herzlichen Begrüßung nahmen wir gemeinsam dort Platz, wo am Vorabend noch ein großes Tasting zum zehnjährigen Jubiläum der umgebauten Hofanlage stattgefunden hat. Regelmäßig sind aber auch sonst in der Brennerei kleinere oder auch größere Gruppen zu Gast, um in den gemütlichen Räumlichkeiten einen spannenden Abend zu verbringen.

Meine Frau und ich hatten nun also das Vergnügen, einen solchen Abend in etwas anderer Form exklusiv zu erleben. Wir redeten zunächst über viele verschiedene Themen, die gar nicht zwingend mit Whisky zu tun hatten, kamen dann aber auch sehr schnell zum Hintergrund von Ger. Er hat früher zunächst in der Pflege und später in der Verwaltung von Krankenhäusern gearbeitet, somit also eigentlich keine Verbindung zum Brennwesen. Als er aber vor gut zehn Jahren in Rente gehen konnte, hat er nach einer Beschäftigung für zwei bis drei Tage in der Woche gesucht. Natürlich hat es seine Zeit gedauert, alle Genehmigungen zusammenzubekommen, aber tatsächlich hat er es mit Unterstützung der Founding Funders und später auch der Friends of Mworveld geschafft, im Jahr 2017 den ersten Whisky herzustellen. Dass er auch heute noch lange nicht mit zwei bis drei Tagen pro Woche auskommt, sondern man mindestens von einem Vollzeit-Job ausgehen muss, wurde Ger dabei relativ schnell klar.

Danach gingen wir zunächst durch das kleine Fasslager, in dem ganz unterschiedliche Spirituosen in verschiedensten Fässern liegen. Hintergrund ist, dass Ger nicht nur seinen Whisky produziert, sondern auch als Lohnbrenner während der Obsternte fungiert, aber auch weitere Obstdestillate, Calvados und Gin im Angebot hat. Bei den Fässern ist Ger experimentierfreudig, legt aber Wert auf Qualität. Vorrangig werden Bourbonfässer und Fässer verwendet, die zuvor verschiedenste Arten von Sherry enthielten. Pro Jahr befüllt Ger so ca. acht Fässer mit New Make, die dann zu Whisky bzw. eher zu Whiskey reifen dürfen, denn Mworveld ist von irischen Destillaten inspiriert. Bei Vollauslastung wären bis zu 100 Fässer pro Jahr möglich, was aber niemals das Ziel war. Ins Fass kommt der New Make übrigens ganz klassisch mit 63%, abgefüllt wird dann später in verschiedenen Alkoholstärken. In der Regel sind es 49%, aber es gibt auch Abweichungen, vor allem nach oben. Auch hier gilt jedoch, dass die Qualität und der Geschmack an erster Stelle stehen sollen. Ein Destillat soll nicht darunter leiden, dass der Alkoholgehalt zu niedrig gewählt und damit an Aromen gespart wird.

Anschließend schauten wir uns die Brennanlage an, die Ger gebraucht in der Tschechischen Republik erworben hat. Ger ist von dieser Anlage begeistert, weil sie viele Möglichkeiten bietet, gleichzeitig aber auch in der Anschaffung deutlich günstiger war als eine Brennblase aus Deutschland oder gar aus Schottland. So stellt er alle Destillate auf dieser Anlage her. Und die galt es natürlich auch noch zu probieren, zumindest mal den Whiskey. Da ich leider an diesem Abend der Fahrer war, blieb das Probieren wieder komplett an meiner Frau hängen, aber sie zeigte sich bei allen sechs Abfüllungen sehr begeistert. Ich teilte diese Einschätzung beim Schnuppern, konnte aber natürlich nur sehr eingeschränkt mittrinken. Drei der sechs Abfüllungen habe ich aber als Sample mitgenommen, die ich mir nun ganz in Ruhe vornehme.

Übrigens waren die ersten zehn Abfüllungen passend mit The First, The Second usw. bis zu The Tenth benannt. Danach sollte es eine neue Abfüllungsreihe geben, die nach Orten in Limburg benannt wurde wie Slek und Aijen, von denen man vermutlich noch nie gehört hat, wenn man nicht schon in der Region war und ganz gezielt nach diesen Orten gesucht hat. Außerdem soll es immer wieder auch Sonderabfüllungen geben, die vor Ort erhältlich sind, dazu zählt die aktuelle Cask Strength-Edition. Mit den drei letztgenannten beschäftige ich mich nun. Vor Ort probiert haben wir zusätzlich auch noch The Ninth, The Tenth und Ingber. Heute macht bei mir der Slek den Start, der in Bourbon- und Olorosofässern reifte. Insgesamt 490 Flaschen mit einem Alkoholgehalt von 49% sind für jeweils EUR 79,50 erhältlich. Der Whiskey bietet einen herbstlichen Mix aus Leder, roten Beeren, dunkler Schokolade und Orangen. Ein paar Kräuter und erdige Noten bleiben im Hintergrund. Der Gaumen bietet ähnliche Noten, aber hier steht die Schokolade klar im Vordergrund, Beeren und Kräuter müssen sich dahinter aber nicht verstecken. Ich habe mich beim Probieren gerade so richtig darüber gefreut, dass ich hiervon eine Flasche mitgenommen habe.

Weiter geht es mit der Distiller´s Unique Selection 2026, der mit fassstarken 57,6% daherkommt und zu 85% in Palo Cortado Casks reifte, während es sich die restlichen 15% in Fässern von Heaven Hill gemütlich gemacht haben. Nur 250 Flaschen dieser Abfüllung sind vor Ort in der Brennerei erhältlich. Beim Schnuppern vor Ort war dieser Whisky unter vielen starken Abfüllungen mit Favorit! Hier gibt es neben viel Süße vor allem verschiedene helle und dunkle Früchte. Dabei tauchen neben Beeren und Kirschen auch Äpfel, Pfirsiche und Mangos auf. Eine leichte Nussigkeit untermalt die fruchtig-süße Mischung sehr schön. Am Gaumen ist der Whisky trotz seines hohen Alkoholgehalts sehr weich und cremig mit Vanille- und Karamellpudding, dazu kommen dann wieder die Früchte und ein Mix aus Eichenwürze und Muskat, wobei die fruchtig-süßen Aromen deutlich präsenter sind als die Eiche.

Zuletzt beschäftige ich mich noch mit dem Aijen, für den getorftes Malz mit 30ppm verwendet wurde. Gereift in Madeira- und Heaven Hill Bourbonfässern wurde auch dieser Whiskey wieder mit 49% abgefüllt. Knapp 500 Flaschen sind für jeweils EUR 85,- erhältlich. Viel Süße in Form von Karamell, Vanille und eingekochten Mirabellen werden kombiniert mit Äpfeln und eingelegten Birnen. Dabei ist aber gleichzeitig auch die torfige Note sehr deutlich zu erkennen. Der Gaumen wird dann in Bezug auf die Fruchtigkeit etwas gedrosselt, dafür sind aber Torf und Süße sehr deutlich zu erkennen. Gleichzeitig wird der Tropfen am Ende sehr trocken. Mir hat sowohl der Besuch vor Ort wie auch das Gespräch mit Ger sowie das kleine Tastings zu Hause viel Spaß gemacht. In diesem Jahr feierte die Brennerei ja bereits das zehnjährige Bestehen des Hofes in der heutigen Form, im nächsten Jahr hat dann auch die Destillerie an sich sein erstes zweistelliges Jubiläum. Vielleicht ist das ja schon der nächste Anlass, mal wieder einen Ausflug in den Süden der Niederlande zu machen.

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