Im September haben meine Frau und ich uns auf den Weg in die Niederlande gemacht, wo wir ein Wochenende bei Bus Whisky Distillers verbracht haben. Das ist als festes Arrangement über die Seite von Bus online buchbar, natürlich kann man aber auch alle Bestandteile einzeln buchen. Für uns ging es am Samstag um 15:30 Uhr mit dem Check-In los, bevor dann um 16:00 Uhr die erste Brennerei-Tour startete, wir haben allerdings noch zwei Stunden auf den Start unserer Tour gewartet, was sich aber rückblickend absolut gelohnt hat. Direkt im Anschluss gab es ein leckeres 4-Gänge-Menü im Restaurant der Brennerei, wo u.a. ein Koch die Verantwortung trägt, der früher in der Sterne-Küche tätig war. Es folgten dann zwei Übernachtungen mit wirklich hervorragendem Frühstück am jeweils folgenden Vormittag.
Freitag, 18. September 2026
Besuch bei Bus Whisky Distillers in Loosbroek (Niederlande)
Tatsächlich fuhren wir schon eine knappe Stunde zu früh aufs Gelände der Bus Distillery, die irgendwo im niederländischen Nirgendwo im Dreieck zwischen s´Hertogenbosch, Nijmegen und Arnhem liegt. Wir waren zunächst mal überrascht, dass der Parkplatz schon um diese Uhrzeit brechend voll war, so dass wir auf dem hinteren Parkplatz parken mussten, der sich bis zum Abend dann ebenfalls noch komplett füllte. Wir konnten aber unser Zimmer schon direkt beziehen und erfuhren auch, dass an diesem Wochenende besonders viele Besucher für die Whisky-Tour vor Ort waren. Offenbar ist die Brennerei mit ihrem Restaurant ein ausgesprochen beliebtes Ausflugsziel für Niederländer, denn andere Sprachen haben wir vor Ort nicht gehört. Außerdem ist die Brennerei an Wochenende auch eine beliebte Hochzeits-Location und tatsächlich lief am Sonntag auch ein Brautpaar an unserem Fenster vorbei. Neben den 26 Zimmern auf dem Gelände, die unter der Woche auch gerne für Teilnehmer von Konferenzen und Seminaren auf dem Gelände genutzt werden, gibt es außerdem mehrere Stellplätze für Camper, so dass ganz unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden.
Um 16:00 Uhr sollte also unsere Führung beginnen. Tatsächlich war der Raum, in dem die Führung beginnt und in dem ein Video zur Brennereigeschichte gezeigt wird, bereits zum Bersten gefüllt, trotzdem wurden wir noch mit hineingelassen. Schnell stellten wir im Anschluss an den Film aber fest, dass die Führung in niederländischer Sprache gehalten werden sollte, was aufgrund der Zusammensetzung der Teilnehmer verständlich ist. Ich war jedoch davon ausgegangen, dass die Führung in englischer Sprache stattfindet. Wir wurden also auf die nächste Führung verwiesen, die aber ebenfalls auf niederländisch starten sollte. Zu unserem großen Glück sprach der Guide aber auch sehr gut deutsch und bot uns an, im Anschluss an die Tour noch eine deutsche Runde mit uns zu machen. So begann unsere Tour zwar mit knapp zwei Stunden Verspätung, war aber dann sehr unterhaltsam und, nicht ganz unwichtig, für uns zu verstehen.
Auch wir starteten mit dem Video zur Geschichte, jetzt aber mit deutschem Untertitel. Einiges hatte ich auch in der niederländischen Version schon aufgeschnappt, aber so war es natürlich deutlich einfacher für uns. So lernten wir, dass die Brennerei nach einem Besuch des Inhabers in Österreich und dortigem Genuss von Obstler eigentlich mit einem Kirschbrand durchstarten wollte. Schließlich hat die Region Brabant mehr als genug Obst, das dafür zur Verfügung steht. So brannte man einen spannenden Kirsch, der jedoch nicht ganz den Absatz fand, den man sich eigentlich versprochen hatte. Kurzerhand wechselte man deshalb auf die Produktion eines Bieres im Pilsner Stil. Dummerweise schenken jedoch die meisten niederländischen Gaststätten nur ein einziges Pils aus, so dass es fast unmöglich ist, ein lokales Pils in der Gastronomie zu platzieren. Auch dieser Plan war also nicht von Erfolg gekrönt. So musste man erfinderisch werden, als die Braugerste aus dem Vorjahr noch gar nicht verbraucht war, obwohl schon die neue Ernte anstand. Kurzerhand wurde ein Brand aus der Gerste hergestellt, denn die Anlage für den Kirsch war ja vorhanden. So richtig realisiert, dass damit ein New Make für die Produktion von Whisky hergestellt war, hat man bei Bus aber erst im Anschluss.
Auf der Tour lernten wir dann unter anderem, woher der Name Bus stammt, denn dieser bedeutet auf Niederländisch soviel wie Nachbarschaft oder Siedlung. Dieser Name wurde deshalb gewählt, weil man für sich selbst den Anspruch hat, zur nachhaltigsten Brennerei der Welt zu werden. Alle Produktionsschritte mit Ausnahme des Mälzens werden vor Ort gemacht. Nur für diesen Schritt ist es sinnvoller, mit einer Mälzerei im Norden der Niederlande zusammenzuarbeiten, weil das Mälzen in sehr kleinen Mengen vor Ort zu viel Energie verbrauchen würde. Außerdem sahen wir die erste holzbeheizte Brennanlage von der Firma Holstein mit einem Fassungsvermögen von 125 Litern sowie die später angeschaffte dampfbeheizte Anlage aus China mit einem Fassungsvermögen von 500 Litern. Produziert werden auf diesen Anlagen aktuell rund 100 Fässer in Standardgröße pro Jahr, man könnte die Produktion jedoch auf bis zu 250 Fässer pro Jahr ausweiten, möchte aber nur soviel produzieren, wie auch verkauft wird.
Wir durften auch einen Blick in das kleinere der beiden Fasslager werfen, wobei direkt ein Fass mit transparentem Deckel und Boden ins Auge fiel, das den Angels Share vor Ort verdeutlichen sollte. Tatsächlich verliert man mit zwei bis drei Prozent relativ wenig, aber auch das macht sich natürlich über die Jahre im Fass bemerkbar. Außerdem wird mit verschiedenen Fassarten experimentiert. Neben verschiedenen Sherry-Fässern werden auch solche verwendet, die zuvor Bourbon, Rotwein aus lokaler Produktion oder Rum enthielten. Tatsächlich wird auch noch immer Bier in verschiedenen Stilen vor Ort gebraut, das aber größtenteils nur im eigenen Restaurant zum Ausschank kommt. Zum Teil sind auch diese Biere fassgelagert, so dass auch diese Fässer anschließend für den Whisky verwendet werden können.
So ging es dann in den Tasting-Raum, wo im Anschluss an die Tour der Standard der Brennerei ausgeschenkt wird, der in aller Regel aus vier Bourbon-Fässern geblendet wird und in immer neuen Batches dauerhaft verfügbar ist. Mir hat die Malzigkeit des Whiskys in Kombination mit viel Vanille und Karamellsüße sehr gut gefallen, etwas besser kam bei mir aber das Bourbon Single Cask an, das ich am Folgetag probieren konnte. Hier geht die Malzigkeit etwas zurück, dafür wird die Vanille noch deutlich intensiver und man hat einen kräftigen Vanillepudding (oder in den Niederlanden vielleicht eher einen Vla) im Glas. Dieses Fass war ursprünglich auch für den Standard vorgesehen, dann aber für zu herausragend gehalten. Außerdem habe ich noch das Stout Cask Finish probiert, das vom Bourbon Cask nach gut drei Jahren noch für 18 Monate in ein Fass umgezogen ist, das zuvor das eigene Russian Imperial Stout enthielt. Hier kommen die Stout-Aromen in Form von Schokolade, Kaffee und einer leichten Bittere sehr schön durch. Auch das Oloroso-Finish durfte ich probieren, das wiederum die Süße mit Schokolade und würzigen Aromen kombinierte. Insgesamt also sehr spannende Abfüllungen, die derzeit im Regal stehen.
Zum Abendessen gab es dann am ersten Tag das besagte 4-Gänge-Dinner, für das man allerdings bei voll besetztem Restaurant etwas mehr Zeit einplanen musste. Nach einem kleinen Gruß aus der Küche mit Frischkäse und Kiwi auf geröstetem Brot folgten vier leckere Gänge, die ich mit einem Blond aus eigener Herstellung kombiniert habe. Zum Hauptgericht habe ich mir noch ein Dubbel aus der nur wenige Kilometer gelegenen Berne Abtei gegönnt, beide Biere haben wir sehr gut gefallen und haben sehr gut zum Essen gepasst. Nach Vorspeisenvariationen unter anderem mit roter Bete Ziegenkäse und geräuchertem Lachs folgte eine Hähnchenroulade mit "Unkraut"-Pesto (so wurde es tatsächlich von der Bedienung betitelt, es enthielt u.a. Brennnessel) sowie zum Hauptgang ein zartes, rosagebratenes Stück Rind mit Pastinaken, Kartoffelturm und Whisky-Jus. Zum Nachtisch gab es dann Feuer auf dem Tisch, denn die Creme Brullee wurde direkt am Tisch flambiert, dazu kamen eine Limetten-Creme, ein Crumble und ein richtig tolles Whisky-Honig-Eis, bei dem auch der Honig aus eigener Herstellung war.
So fielen wir abends satt, müde und voller Eindrücke ins Bett unserer zugegebenermaßen eher kleinen Behausung, die in direkter Übersetzung aus dem Niederländischen 2-Personen-Kammer heißt. Irgendwie kam uns dieser Begriff ganz passend vor. Trotzdem ist das für zwei Nächte natürlich völlig ausreichend und spätestens beim tollen Frühstück am nächsten Morgen mit warmen Brötchen, Brot, verschiedenen Wurst- und Käsesorten, Eiern, Joghurt, Erdnussbutter und Marmeladen sowie natürlich auch dem besonders bei mir sehr beliebten Hagelslag war man wieder völlig entschädigt. Regionalität und Qualität stehen für Bus ohnehin im Vordergrund, beim Frühstück wurde das aber noch einmal besonders deutlich, was dazu führte, dass mein Frühstück so umfangreich wie schon lange nicht mehr ausfiel. Meine Frau und ich können also einen Besuch vor Ort unbedingt empfehlen, allerdings sollte man, sofern man der niederländischen Sprache nicht mächtig ist, im Vorwege klären, ob ggf. eine Führung auf Deutsch oder Englisch machbar ist.
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