Einige Tage später im Jahr als aus der Vergangenheit gewohnt öffnete am zweiten Wochenende im Februar wieder die Hanse Spirit in Hamburg ihre Tore. Meine Frau und ich haben uns beide Tage durch verschiedene Abfüllungen probiert und dabei zahllose Gespräche mit Ausstellern und anderen Gästen geführt, so dass die Zeit mal wieder wie im Fluge verging. Am Freitag habe ich ausnahmsweise mal sehr rechtzeitig Feierabend gemacht, um dann bei anhaltendem Hamburger Winterwetter rechtzeitig zur Messeöffnung vor Ort zu sein. Unsere "Home Base" war das ganze Wochenende über der Stand von Thy Whisky, wo wir beide als Back-Up eingeplant waren, wenn der Andrang dann doch mal zu groß wurde. Trotzdem hatten wir mehr als genug Zeit für das gesamte Messegeschehen, denn den Eindruck, dass es zu voll wurde, hatte ich während der gesamten zwei Tage nicht.
Sonntag, 15. Februar 2026
Messebericht Hanse Spirit 2026
Der Freitag begann dann für uns zunächst mit einem Classic Laddie, denn den gab es direkt am Eingang als Welcome Dram. Der erste Halt auf der Messe war dann allerdings beim sehr alten Mann, bürgerlich bekannt als Dirk Rosenboom. Ich finde es immer wieder spannend, wie viel Wissen er unter anderem in Bezug auf alte Blends hat und so gab es für uns erstmal einen Bell´s Islander, einem Blend mit Islay-Destillerien, allerdings vollkommen ungetorft, sowie einem sehr alten J&B. Im Anschluss schenkte er mir noch einen Probierschluck von einem 1969er Glen Keith ein, der schon vor Jahren für Krüger´s abgefüllt wurde. Eigentlich hätte ich da schon wieder nach Hause gehen können, denn das war ein absolutes Highlight!
Im Anschluss ging es zum ersten Mal, aber bei Weitem nicht zum letzten Mal für dieses Wochenende zu High Coast aus Schweden, die wir vor rund zehn Jahren noch als Box Whisky im Bordershop in Puttgarden kennengelernt haben. Neben der Standard-Range gab es hier auch Abfüllungen, die eigentlich für den schwedischen Markt bestimmt sind und in Deutschland nicht immer zu bekommen sind. Da wir kurz vor der Hanse Spirit schon ein High Coast Tasting im Hamburger Whiskyplaza besucht hatten, haben wir uns auf die exklusiveren Abfüllungen konzentriert, die wir noch nicht kannten. Mir persönlich hat ganz besonders die Mountains Edition 02 gefallen, die im Grunde ein Upgrade zum Berg aus der Standard-Range ist, denn es gibt hier viel Sherry, allerdings in diesem Fall ungetorft. Wer mehr Torf möchte, kann sich dann an der Mountains Edition 01 orientieren, denn hier gibt es zum Sherry noch eine gute Ladung Torf. Meine Frau hat sich am Valentinstag dann in die Solera-Abfüllung verliebt, die in den oberen Fässern zunächst noch Bourbon Casks verwendet, dann aber in der untersten Reihe, aus der immer nur 30% entnommen werden, mit schwedischer Eiche arbeitet. Der Whisky ist deutlich weniger holzig, als man es annehmen könnte, und gefällt auch mir mit seinen würzigen und süßen Aromen richtig gut.
Auch in diesem Jahr gab es am Stand von Beam Suntory wieder ein Silent Tasting, das sich mit japanischem Whisky beschäftigte. Ins Glas gab es dabei für schlanke EUR 15,- den Toki, den richtig tollen aber leider inzwischen mit knapp EUR 600,- viel zu teuren Yamazaki 18 und den Hibiki Harmony. Letzterer gefällt mir auch jedes Mal wieder richtig gut, ist er doch ein milder und runder Whisky, der aber trotzdem Eindruck hinterlässt und lange hängenbleibt. Den werde ich demnächst auch in ein Around the World-Tasting einbauen. Danach ging es dann noch zum Brühler Whiskyhaus, wo ich im Laufe des Wochenendes immer wieder landete. Den Peated Millstone aus dem Oloroso Cask dort fand ich gut, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir die Windmill- und Tulip-Reihen von Kirsch, von denen ich auch jeweils die aktuellste Abfüllung probieren konnte, noch etwas mehr zusagen. Dafür konnte mich umso mehr ein Armagnac aus dem Springbank Cask überzeugen. Bei den beiden neuen BenRiachs musste ich natürlich auch mal nippen. Geldbeutel-freundlich hat mir der günstigere 14 Jahre alte Whisky aus dem Rivesaltes Quarter Cask besser gefallen als der 25 Jahre alte Tropfen aus dem Refill Sherry Cask, weil er einfach noch etwas mehr Rauch am Start hatte und gleichzeitig die fruchtige Süße vom Fass toll eingebunden war.
Den Abschluss des ersten Tages bildete dann ein wirklich toller 20 Jahre alter Whisky von Dram Way, bei dem natürlich niemand verraten darf, woher er stammt, weil man sonst die Leute mit Jura-Studium auf den Plan ruft. Tolles Ding! Den ganzen Tag über hatten wir übrigens schon Gabriele von Glencadam und Tomintoul versprochen, dass wir auf einen Dram vorbeischauen. Geschafft haben wir es dann erst am Samstag zum "Frühstück". Kennengelernt haben wir Gabriele auf einer Whisky-Kreuzfahrt im Dezember, daher kannten wir schon einen guten Teil des Sortiments und natürlich auch die Eselsbrücke dazu, wie man Tomintoul ausspricht. Man nimmt einfach einen Tom seiner Wahl (Gabriele bevorzugt Tom Cruise, meine Frau merkt es sich mit Tom Kaulitz), der sich nackt in ein Handtuch eingewickelt hat. So kommt man zu einem "Tom in towell", was genau der richtigen Aussprache entspricht. Dass trotzdem die Abfüllungen mit 40% etwas zu dünn für meinen Geschmack sind, bleibt kein Geheimnis. Es sind einfach nette Einstiegswhiskys, die aber einfach etwas mehr Profil bieten dürften. Dabei hat mir diesmal das Tawny Port Finish deutlich besser gefallen als das Tempranillo Finish.
Am ersten Tag waren wir schon kurz am Stand von Nine Springs, wo wir den wirklich grandiosen neuen Peated Breeze probiert haben, der im März auf den Markt kommen wird. Abgefüllt ist er als Single PX Cask, das aber deutlich weniger Einfluss auf den Whisky genommen hat, als ich vermutet hätte, vielmehr stehen rauchige und süße Noten im Vordergrund. Diesen Whisky werde ich in Kürze noch einmal ganz ausführlich an dieser Stelle vorstellen. Am zweiten Tag haben wir dort das neueste Batch vom Rye Whisky probiert, der locker auch als Bourbon hätte durchgehen können, denn das brotige Aroma, Rye Whisky oftmals hat, war hier eher im Hintergrund und versteckte sich hinter viel Süße und Würze. Grandios war im Anschluss auch der brandneue Aberlour A´Bunadh Special Edition 1, der dem regulären A´Bunadh, der auch schon richtig toll ist, nochmal ein PX-Finish aufsetzt. Da war nicht nur meine Frau extrem begeistert, auch ich habe mich überhaupt nicht dagegen gewehrt, eine Flasche mit nach Hause zu nehmen.
Ein Besuch der Hanse Spirit ohne Besuch des Stands von Flickenschild ist natürlich eine verschenkte Messe, auch wenn ich mich diesmal dort deutlich weniger aufgehalten habe, als dies in den letzten Jahren der Fall war. Auf jeden Fall habe ich mir das aktuelle Scarabus Single Cask einfüllen lassen, das exklusiv für Flickenschild und den Whiskyhort abgefüllt wurde. Hier gibt es in Fassstärke aus dem Bourbon Cask genau das, was man sich erhofft, nämlich eine sehr ausgeprägte Süße mit sehr viel Rauch. Hier war ich dann sehr dankbar über die Glastauschstation, die es auf der Hanse Spirit gibt, denn ein Glastausch war zwingend nötig. Auch Mark Armin Giesler darf auf der Messe nicht fehlen und auch diesmal bot er wieder ein spannendes Laphroaig-Tasting an, das diesmal in einem Reisebus stattfand, der zu diesem Zweck in die Halle gefahren wurde. Neben dem fassstarken 10yo, der nicht ganz meinen Geschmack traf, gab es auch die Elements 1.0, 2.0 und 3.0, die allesamt zwischen Experiment und Unfall schwanken, aber auch durchweg richtig spannend sind. So kann sogar ich mich für Laphroaig begeistern!
Bevor es dann am Samstag nach Hause ging, schauten wir noch bei Kirsch Import vorbei, die wieder mit sehr vielen Marken und Ständen vertreten waren. Eigentlich wollte ich hier nur den schon erwähnten Millstone für ein Tasting kaufen, dann landete aber plötzlich ein zwölf Jahre alter Teerenpeli aus Finnland in meinem Glas, der von unserem Lieblings-Druiden Michel Reick unter dem Label Best Dram abgefüllt wurde und der aus einem First Fill Oloroso Cask stammt. Der hat mich am Ende so dermaßen überzeugt, dass meine Rechnung doch höher ausfiel. Außerdem gab es den Nikka from the Barrel Extra Marriage, der zum Jubiläum des Standards abgefüllt wurde. Hier ist das Finish mit sechs Monaten doppelt so lang ausgefallen, was für ein deutlich runders Geschmackserlebnis sorgt. Auch dieser Tropfen hat mir extrem gut gefallen.
Damit endet ein richtig tolles Messe-Wochenende, das neben tollen Drams vor allem auch sehr, sehr viele tolle Begegnungen zu bieten hatte. Obwohl die Messe etwas kleiner als im letzten Jahr ausgefallen ist, haben wir es mal wieder nicht geschafft, alle Aussteller intensiv zu besuchen, bei denen wir es uns eigentlich vorgenommen hatten. Aber zum Glück hat das Jahr ja gerade erst angefangen und es stehen uns noch viele tolle Messen bevor. Trotzdem freue ich mich schon jetzt auf mein nächsten Heimspiel im kommenden Jahr bei der nächsten Hanse Spirit.
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