Samstag, 7. November 2020

Kavalan Online Tasting (Single Malt, King Car Conductor, Solist Peaty Cask, Vinho Barrique, Port und Sherry) mit Simple Sample und Silvia Engelhard

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann bin ich eigentlich kein großer Freund von Online-Tastings, denn ein Tasting lebt für mich vom Austausch unter den Teilnehmern. Trotzdem gibt es aktuell ja kaum eine andere Möglichkeit, mit einer größeren Runde eine angeleitete Verkostung zu erleben. Bei Tastings über Zoom ist die Möglichkeit des Austausches zumindest noch zum Teil gegeben, über andere Plattformen wie Facebook, Instagram oder YouTube ist es dann schon sehr wichtig, dass die Veranstalter die Kommentare der Teilnehmer aufgreifen. Dass Simple Sample dies besonders gut macht, habe ich bereits bei vorherigen Tastings erlebt. Als nun ein Paket für ein Kavalan-Tasting angeboten wurde, habe ich natürlich keinen Moment gezögert und die Bestellung auf den Weg gebracht. Ich hätte auch gar nicht zögern dürfen, denn die Nachfrage war deutlich größer als erwartet. Ich war also ganz froh darüber, vor einigen Tagen überhaupt mit den entsprechenden Samples vor meinem Rechner sitzen zu dürfen, als Olli und Steffen von Simple Sample gemeinsam mit Silvia Engelhard, der Brand Ambassadorin von Kavalan für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die sechs spannenden Tropfen präsentierten.


Los geht das Tasting mit dem klassischen Single Malt von Kavalan, der in Bourbon-, Sherry- und verschiedenen Weinfässern reifen durfte. Der Name des Whiskys stammt übrigens von einem traditionellen Volk, das Taiwan besiedelte und auch heute noch zum Teil anzutreffen ist. Dabei ist Kavalan aktuell die einzige private Brennerei im Land, denn man hat dort sehr schnell nach dem Fall des staatlichen Monopols darauf hingearbeitet, eigene Produkte auf den Markt bringen zu können. Geholfen hat sicherlich, dass King Car in Taiwan ein Markenname ist, der in Deutschland mit Dr. Oetker vergleichbar ist. Ob aber Dr. Oetker eine ebensolche Passion für Whisky hat wie Mr. Lee - der Inhaber von King Car - kann ich nicht einschätzen. Der Single Malt zumindest bietet eine Mischung aus exotischen Früchten, Äpfeln, Ingwer, würzigen Elementen und deutlichen Zitrusnoten und gefällt mir damit recht gut als Einsteiger ins Tasting.

Der zweite Whisky des Tastings sollte vorrangig den taiwanesischen Markt davon überzeugen, dass auch dort guter Whisky produziert werden kann. King Car ist im Inland deutlich bekannter als Kavalan, deshalb trägt dieser Tropfen auch den Namen des Konzerns. Geschmacklich geht es bei diesem Mix aus acht Fässern (jeweils First und Refill Bourbon, Sherry, Rotwein, Weißwein) in Richtung Karamell, Frucht und Würze, wobei am Gaumen der Mix aus tropischen, roten und Zitrusfrüchten noch deutlicher wird als in der Nase. Danach folgen dann die vier Solists, die mich natürlich besonders gereizt haben, denn dass Kavalan großartige Whiskys zu bieten hat, war mir schon klar, von den Solisten hatte ich aber noch nicht alle im Glas, denn sie sind in der Regel doch etwas preisintensiver.

Natürlich gab es auch einen kleinen Exkurs zur Reife in Taiwan, denn diese geht dort deutlich intensiver als z.B. in Schottland vonstatten. Als Daumenwert wird hier ein Faktor von 5 angesetzt. Ein Besuch der Destillerie ist dabei fast jederzeit möglich und sogar kostenlos. Man bekommt dabei einen Einblick in die Herstellung allgemein wie auch direkt vor Ort. Das hat den simplen Grund, dass King Car der taiwanesischen Bevölkerung die Produktion von Whisky näherbringen will, denn man setzt vorrangig noch immer auf den inländischen Markt. Das für das Tasting mit einem Fragezeichen gekennzeichnete Fläschchen enthielt den Peaty Cask, der den Einstieg für die Taiwanesen in den Markt getorfter Whiskys markieren soll. In Taiwan sind torfige Abfüllungen nämlich kaum gefragt, während der internationale Markt durchaus danach verlangt. Dieser Zwischenschritt ist somit in der Nase eher dezent mit Frucht, Vanille und Karamell, bevor dann am Gaumen der Torf aus seinem Schatten heraustritt. Begleitet wird das Ganze auch hier wieder von einer angenehmen Zitrussäure.

Die für mich persönlich spannendsten Abfüllungen sollten nun noch folgen. Der Solist aus dem Vinho Barrique stammte ursprünglich aus Rotweinfässern aus Portugal, inzwischen ist man aber nicht mehr auf diese Herkunft festgelegt. Wichtig ist aber die für Dr. Jim Swan typische Reifung in STR-Fässern. STR steht für Shaved, Toasted and Recharred und ist inzwischen eine beliebte Methode vor allem bei Destillerien, die eher jüngeren Whisky auf den Markt bringen. Bei diesem Kavalan hat es für Noten gesorgt, die an sehr hochwertiges Fruchtgummi, Orangen, Karamell und Schokolade erinnern. Am Gaumen kommen die fruchtigen Noten in Form von exotischen Früchten, dunklen Trauben und Rosinen dann noch deutlicher hervor. Im Nachgang wurde uns noch verraten, dass die Fässer im Lager in Taiwan anders lagern als in Schottland. Da Taiwan eine Erdbebenregion ist, werden die Fässer dort stehend gelagert. Nur wenige große Sherryfässer liegen, sind dann aber mit großen Holzblöcken vor den Erdbeben gesichert. Eine für Mitteleuropa in dieser Form kaum vorstellbare Vorsichtsmaßnahme.

Das folgende Port Cask war mein persönlicher Favorit des Abends, denn dieser Whisky war zwar ausgesprochen intensiv, dabei aber noch nicht überladen. Neben vielen dunklen Früchten und Schokolade tauchten hier in der Nase vor allem Zitrusnoten, Mandeln, Würze und reife Mangos auf. Geschmacklich wurde die fruchtige Note dann noch intensiver, wobei ich mich an Erfrischungsstäbchen mit Orangenfüllung erinnert gefühlt habe. Das abschließende Sherry Cask war dann mit Abstand am intensivsten. Hier gibt es in der Nase Rosinen, Würze, Marzipan, Orangen, Nüsse und Schokolade, wobei die Aromen am Gaumen noch intensiver werden und mit der Zeit durch eine gute Portion Liebstöckel ergänzt werden. Das ist definitiv kein Dram, den man mal eben zwischendurch trinken kann und möchte.

Insgesamt hat mir das Tasting richtig viel Spaß gemacht und ich wurde wieder einmal von der Qualität der Abfüllungen von Kavalan überzeugt. Wenn ich ehrlich bin, hätte Silvia da aber gar keine Überzeugungsarbeit mehr leisten müssen, denn spätestens nachdem sie mich auf der Hanse Spirit durch die Range geführt hat, war ich ohnehin hin und weg. Wer es in nächster Zeit nach Taiwan schafft, sollte bei der Destillerie vorbeischauen, denn der Eintritt vor Ort ist wie schon beschrieben kostenlos. Allen anderen empfehle ich, sich mindestens einen Probierschluck von Kavalan zu organisieren, denn die Abfüllungen sind zwar in der Regel nicht ganz günstig, dafür aber extrem stark!

Übersicht der verkosteten Whiskys:

Kavalan Single Malt Whisky, Single Malt Whisky, NAS, 40%, EUR 45,-
King Car Conductor (Kavalan), Single Malt Whisky, NAS, 46%, EUR 51,-
Kavalan Solist Peaty Cask, Single Malt Whisky, NAS, 51,6%, EUR 120,-
Kavalan Solist Vinho Barrique, Single Malt Whisky, NAS, 56,3%, EUR 150,-
Kavalan Solist Port Cask, Single Malt Whisky, NAS, 57,1%, EUR 120,-
Kavalan Solist Sherry Cask, Single Malt Whisky, NAS, 57,8%, EUR 120,-

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