Donnerstag, 9. September 2021

Messebericht Köpenicker Whiskyfest 2021 (u.a. mit Cadenhead´s, Anam na h-Alba, Whiskyhort, Best Dram und Gordon & MacPhail)

Es hat sich angefühlt wie eine halbe Ewigkeit, seitdem ich das letzte Mal auf einer Whiskymesse war. Im September vergangenen Jahres war ich bei der Hausmesse vom Whiskyhort und wenige Zeit davor in Köpenick auf dem Whiskyfest. Seitdem war leider aufgrund der bekannten Umstände nichts mehr möglich. Das hat dazu geführt, dass nicht nur ich richtig heiß auf die erste Messe seit fast einem Jahr war, sondern man auch den Besuchern und ganz besonders auch den Ausstellern auf dem Köpenicker Whiskyfest 2021 die Freude angemerkt hat, dass es endlich wieder losgeht. Zwei Tage standen bei mal wieder hervorragendem Wetter ganz im Zeichen des Whiskys mit vielen spannenden Ständen, Abfüllungen, Menschen und Tastings. Dabei hätte uns und wohl auch einigen anderen Besuchern der Streik bei der Deutschen Bahn fast einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn wir wurden zum Umstieg aufs Auto gezwungen. Da meine Frau aber für den Freitag noch spontan einen Tag Urlaub nehmen konnte, waren wir in der Lage, uns schon gegen 06:45 Uhr und somit vor dem zu erwartenden Stau auf den Weg nach Berlin zu machen.


Das führte natürlich dazu, dass wir schon sehr früh in Köpenick waren und noch etwas das schöne Wetter an Dahme und Müggelspree genießen konnten. Nach einer kleinen Stärkung zum Mittag ging es dann pünktlich zum Messebeginn aufs Gelände, wo wir uns zunächst auf den Weg zu Anam na h-Alba machten. Vorab wurde ein auf nur 27 Flaschen limitierter Tullibardine aus dem Oloroso Hogshead angekündigt, der nur auf den beiden Berliner Messen erhältlich sein sollte. Diese "dunkle Suppe" brachte erwartungsgemäß eine gute Portion Sherry mit, mir gefiel das aber sehr gut. Im Anschluss statteten meine Frau und ich dem Stand von Cadenhead´s Berlin einen Besuch ab - es sollte nicht der letzte Halt an diesem Stand für dieses Wochenende sein. Tatsächlich gab es hier gleich zwei echte Highlights ins Glas. Während ich mich für einen Craigellachie 13yo aus dem Amontillado Fass entschied, ließ sich meine Frau einen zehn Jahre alten Aberlour aus dem Ruby Port Fass einschenken. Von letzterem ist auf wundersame Weise inzwischen auch eine Flasche in mein heimisches Regal gewandert. Ich muss an dieser Stelle aber wieder einmal erwähnen, dass das Team von Cadenhead´s Berlin ausgesprochen sympathisch ist und hier gleichzeitig immer wieder tolle Abfüllungen zu finden sind, bei denen nicht nur die Flaschenpreise ausgesprochen fair sind, sondern auch die Drampreise im Gegensatz zu einigen anderen Ständen (die hier keine Erwähnung finden) immer noch Messe-kompatibel sind.

Im Anschluss stand für uns das erste von zwei Tastings auf der Messe an, in beiden Fällen waren diese vom Whiskyhort in Oberhausen organisiert und wurden vom Whisky Druiden Michel Reick moderiert. Am ersten Tag standen dann auch fünf Tropfen vom Druiden im Mittelpunkt, denn er stellte uns eine Auswahl seiner Best Dram Abfüllungen vor. Zum Start gab es hier einen Annandale 2015/2021 aus dem Oloroso Butt mit viel Malz, Nuss, Mokka und leichten Fruchtaromen. Es folgte ein Blair Athol 11yo aus einem Rotweinfass, das für eine Mischung aus fruchtigen und würzigen Aromen gesorgt hat, wobei vor allem dunkle Beeren im Vordergrund stehen. Beim folgenden Tomintoul 15yo aus dem First Fill Amarone Fass gab es dann Kirschen, Würze und etwas Mandel, wobei der Whisky am Gaumen deutlich an Fruchtigkeit verlor. Die Torfnasen sollten natürlich auch noch auf ihre Kosten kommen, so dass zum Schluss ein Staoisha und ein Williamson präsentiert wurden. Ersterer wirkte tatsächlich gemäßigt torfig in der Nase, dafür gab es hier viel Süße und etwas Gummi. Am Gaumen hat der Torf dann dafür doppelt Gas gegeben. Beim Williamson konnte ich leicht medizinische Toffifee mit Rauch erschnuppern, was sich auch am Gaumen fortsetzte. Trotz der ausgeprägten Raucharomen und der medizinischen Note bot der Whisky eine schöne Süße mit viel Karamell.

Zum Abschluss des Abends musste ich natürlich noch kurz bei der Sauerländer Edelbrennerei vorbeischauen, denn diese hatte ein kleines Sherry-Fass mitgebracht, aus dem man sich direkt seinen Dram bzw. auch eine ganze Flasche zapfen konnte. Natürlich hat so ein junger Whisky in Fassstärke noch sehr viel Power, aber gerade zum Abschluss eines tollen Tages hat mir die fruchtig-würzige Mischung ziemlich gut gefallen. Anschließend ging es dann zurück in unser zum Glück in Laufweite liegendes Hotel, wo wir nach dem langen Tag kaputt ins Bett fielen. Am nächsten Morgen ging es dann nach einem ausgiebigen Frühstück zur inzwischen schon traditionellen Shoppingtour durch Köpenick. Wie immer haben wir uns aber soweit beeilt, dass wir zur Öffnung des zweiten Messetages rechtzeitig wieder zurück waren. Auch diesmal ging es wieder zu Anam na h-Alba zum Start, diesmal habe ich dort für meine Frau einen Glen Moray aus dem Amarone Quarter Cask ausgesucht. Damit war ein weiteres Highlight gefunden, allerdings konnte ich mich erst ganz zum Ende zu einem Kauf entschließen - leider zu spät. Aber immerhin konnte ich noch den Anbruch mitnehmen. Dieser Whisky wird also in Kürze hier noch einmal ganz ausführlich vorgestellt werden.

Jack Wiebers war natürlich auch wieder am Start und hatte u.a. eine eigene Messeabfüllung dabei. Hierfür wurde ein zwölf Jahre alter Inchgower aus dem Bourbonfass ausgewählt, der helle Früchte, viel Vanille und Karamell lieferte. Danach habe ich mich an einem Experiment versucht, auf das ich mich schon seit Erscheinen der Abfüllung gefreut habe: Ich hatte den Ondjaba aus Namibia im Glas, für den das Getreide über Elefantendung getrocknet wird. Ein spannender Whisky, bei dem ich mich nicht so recht entscheiden mag, ob er mir gefällt oder nicht. Eine ungewohnte Fruchtsüße, die an die leicht säuerliche Marula-Frucht erinnert wird hier mit etwas würzigeren Aromen kombiniert. Vielleicht darf man beim Genuss einfach nicht an die Elefanten denken...

Danach nahmen wir mal wieder auf unserer Stamm-Couch in der Duke Bar Platz, wo der Whisky Druide das nächste Tasting halten sollte, das diesmal als Gordon & MacPhail Masterclass angekündigt wurde. Dementsprechend gab es eine kleine Tour durch die verschiedenen Serien des unabhängigen Abfüllers mit den hervorragenden Kontakt innerhalb der Whiskybranche und extrem starken Fässer in der Hinterhand. Das zeigte sich gleich beim überraschend starken Aultmore 10yo mit 43%, der in der Discovery Range erschienen ist. Ein intensiver grüner Apfel wird mit viel Vanille und Karamell kombiniert. Das ist nicht wahnsinnig komplex, macht aber sehr viel Spaß. Es folgte ein 12 Jahre alter Glen Spey mit Cote Rotie Finish aus der Connoisseurs Choice Reihe. Hier gab es in der Nase Erdbeeren und Pfeffer, am Gaumen dann deutlich mehr Würze, die in Richtung Eiche tendiert bei einem fast schon sahnigen Mundgefühl. In der Distillery Label Reihe gibt es einen 15 Jahre alten Linkwood mit Zitrusfrüchten, Rosinen und etwas Säure. Am Gaumen entwickelt sich der Whisky dann in Richtung heller Schokolade und Vanille. Weil er so cremig ist, fühle ich mich an den niederländischen Vla "Duo" erinnert, also eine Mischung aus Schoko- und Vanillepudding.

Danach gab es einen Highland Park ins Glas, wobei Gordon & MacPhail nicht nur diesen Namen verwenden darf, sondern auch der einzige unabhängige Abfüller überhaupt ist, der auch Fässer von Scapa im Warehouse hat. Beim hier vorliegenden 16 Jahre alten Tropfen aus dem Sherry Hogshead handelt es sich um ein Einzelfass aus der Connoisseurs Choice Cask Strength Reihe, der mit rotem Apfel, Bratapfel, Rosinen und Beeren punkten kann. Am Gaumen wird dieser Eindruck dann noch durch Kirschen und dunkle Schokolade ergänzt, wobei der Whisky extrem trocken im Abgang ist. Der finale Caol Ila 15yo stammt ebenfalls aus der genannten Serie und reifte im First Fill Sherry Butt. Dabei bleibt der Rauch in der Nase etwas dezenter und kommt erst am Gaumen richtig durch. Dazu kommen Zitrusaromen, Salz und Schokolade. Da war tatsächlich im gesamten Tasting kein einziger Ausfall dabei, denn alle fünf Whiskys haben mir mindestens gut gefallen.

Wenn ich schon beim Caol Ila war, dann kann auch gleich noch eine weitere Einzelfassabfüllung aus dieser Destillerie hinzukommen. Vom neuen unabhängigen Abfüller Long Valley aus der Schweiz gab es einen 13 Jahre alten Whisky aus dem Rotweinfass, der auf mich extrem ausgewogen wirkte. Die rauchigen und zitruslastigen Grundaromen der Destillerie wurden hier sehr schön mit den Weinaromen kombiniert. Nach einem weiteren Abstecher zu Cadenhead´s sowie kurzen Stopps bei Slyrs (da wird demnächst ein Beitrag kommen) und der Grumsiner Brennerei holten wir uns zum Messefinale noch einen Dram bei Jack Wiebers ab. Und was kann besser als Rausschmeißer für so ein tolles Messewochenende taugen als ein fassstarker Classic of Islay? Dieser trägt seinen Namen absolut zu Recht, denn man bekommt hier einen sehr rauchigen Whisky aus dem Bourbonfass, das als süßer Gegenpart zu den rauchigen Aromen dient. So ging es zurück ins Hotel mit einer Menge toller Erfahrungen, Gespräche und Eindrücke. Ich hätte sicherlich noch einen weiteren Tag durchgehalten, es wären einfach noch so viele spannende Abfüllungen da gewesen. Aber ich hoffe sehr, dass man Veranstaltungen dieser Art in Zukunft wieder regelmäßiger besuchen kann. Den Weg nach Köpenick werde ich im nächsten Jahr aber definitiv wieder antreten, denn diese Veranstaltung bleibt für mich ein Highlight im Messekalender.

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