Mittwoch, 18. Januar 2023

Online-Tasting Bosch Edelbrand (Simple Sample)

Mit leichter Verspätung aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls kurz vor Weihnachten führte der sechste Stopp der Deutschland-Tour von Simple Sample zu Bosch Edelbrände. Obwohl ich mich mit deutschem Whisky bekanntermaßen sehr intensiv auseinandersetze, war mir diese Brennerei bisher noch nicht bekannt. Unterstützt wurden die Jungs von Simple Sample im Online-Tasting von Andreas Bosch, der eine Ausbildung als landwirtschaftlicher Brennmeister hat und die Brennerei in dritter Generation führt. 1948 wurde Bosch als klassische Obstbrennerei gegründet, so dass in diesem Jahr bereits das 75jährige Jubiläum ansteht. Als Andreas im Jahr 1997 mit in die Brennerei einstieg, hat er Whisky zunächst eher als Hobby gesehen, weshalb er damals auch die Brennrechte für Getreide zu den übrigen Rechten hinzukaufte. Mit der Zeit nahm der Whisky aber immer mehr Raum ein, so dass er heute als wichtiger Bestandteil der Brennerei anzusehen ist, obwohl natürlich weiterhin die klassischen Produkte hergestellt werden. Nicht nur deshalb sollten in diesem Tasting nicht nur fünf unterschiedliche Whiskys gezeigt werden, sondern es gab auch zwei Obstbrände mit jeweils zehnjähriger Fassreifung ins Glas. 


Los geht es mit dem Lenninger Apfel, also zunächst noch keinem Whisky, sondern einem der klassischen Obstbrände mit zehnjähriger Fasslagerung in ungarischer Eiche. In einer Höhe zwischen 380 und 580 Metern über dem Meeresspiegel werden die Äpfel für diesen Brand von Bosch angebaut, geerntet und verarbeitet. In der Nase gibt es süße Apfelaromen, gleichzeitig aber auch viel Vanille und etwas Eiche. Am Gaumen wiederholt sich dieses Aromenprofil grundsätzlich, allerdings geht die Süße hier noch etwas mehr zurück und macht Platz für mehr Vanille und Eichenwürze. Auch der nachfolgende Zwetschgenbrand hat zehn Jahre im Fass verbringen dürfen, wobei hier eine französische Limousin-Eiche zum Einsatz kam. In der Nase wird die Zwetschge süßem Vanillepudding und Mandeln begleitet, dahinter verbirgt sich etwas Blätterteig. Wieder kommt am Gaumen die Eichenwürze deutlich stärker durch als in der Nase, trotzdem bleiben die Frucht, viel Vanille und verschiedene Gewürze sehr präsent.

Danach geht es über in den Whiskybereich, denn auch hier hat die Brennerei einiges zu bieten. Den Start macht der Gelbe Fels, ein Single Grain Whisky, der aus Weizen hergestellt wird. Das Getreide hierfür wird von Bosch selbst angebaut am Fuße eines Felsens, der in der Abendsonne gelb leuchtet, was letztlich auch namensgebend für den Whisky war. Nach sechs Jahren in Limousin-Eiche kommt der Whisky dann in die Flasche. In der Nase steht zunächst ein reifer Apfel im Vordergrund, gleichzeitig sind Kakao und Stroh zu erkennen. Am Gaumen geht die Fruchtigkeit klar zurück, blitzt aber zwischendurch immer mal wieder auf. Im Vordergrund stehen nun eher Getreide und Stroh, bevor dann dunkle Schokolade mit ins Profil kommt und sich bis in den Abgang durchzieht. Es folgt dann der ebenfalls sechs Jahre alte Schwäbische Whisky vom Alb-Dinkel, der in Anlehnung an den Gründer der Brennerei Johannes Renz den Namen JR erhielt und mit dem Andreas ursprünglich im Jahr 1997 den Einstieg in die Whiskywelt gefunden hat. Hier bietet die Nase helle Frucht und Karamell, gleichzeitig aber auch einen spannenden Mix aus Nüssen, Tabak und dunklem Brot. Am Gaumen wiederholen sich die Aromen, wobei Vanille und Süße die Nussaromen noch besser unterstützen. Mit der Zeit wird die dunkle Schokolade immer präsenter.

Mit dem 48 Limited, der nach dem Gründungsjahr der Brennerei benannt ist, geht es dann in die Welt der Single Malts, wobei für diesen Whisky sechs verschiedene Malzsorten mit unterschiedlichen Röstgraden zum Einsatz kamen. Acht Jahre reifte dieser Whisky in Limousin-Eiche, was für einen Mix aus Kinder-Schokolade, Honig, Karamell und Cocktail-Früchte aus der Dose gesorgt hat. Eine leichte Eichennote bleibt im Hintergrund. Am Gaumen wird die helle Schokolade zu etwas dunklerem Kakao, dazu kommen herb-süße Crema Catalana und ein sehr milder Pfeffer. Das folgende Single Cask 57 durfte nach acht Jahren in der Limousin-Eiche noch weitere zwei Jahre im Madeira-Fass verbringen. Die noch übrigen 47% stellen dabei tatsächlich eine Fassstärke dar. In die Nase strömt zunächst die Säure von verschiedenen Beeren, bevor die dazugehörige Süße kurz danach hinterherschlendert. Vanille und Karamell tauchen ebenso wieder auf wie eine leichte Nussigkeit. Am Gaumen geht die Säure deutlich zurück, trotzdem bleiben die süßen Beeren weiterhin vorhanden. Etwas Eichenwürze wird wieder präsenter, aber vor allem Nüsse, Honig und Kakao holen im Vergleich zur Beerensüße mit der Zeit deutlich auf.

Das Finale bildet dann ein zwölf Jahre alter Whisky, der acht Jahre in Limousin-Eiche lag und dann ein vierjähriges Finish im Oloroso-Fass erhielt. Damit ist er gleichzeitig auch der aktuell älteste Whisky im Lager der Brennerei. Es handelt sich hier um eine Fassprobe mit einer Fassstärke von ca. 51,3%, die aber im Laufe des Jahres noch als Jubiläumsabfüllung auf den Markt kommen wird. Hier gibt es in der Nase Kakao, verschiedene Nüsse, eine leichte Zitrussäure und eine gute Ladung Liebstöckel. Gleichzeitig sorgen aber auch wieder Karamell, Honig und Vanille für eine schöne Süße. Am Gaumen wird der Kakao dann noch intensiver, während auch Honig und Karamell noch etwas mehr in den Vordergrund stehen. Dabei werden die Aromen aber auch von einem spannenden Mix an Gewürzen begleitet. Somit gab es dann zum Abschluss des Tastings noch ein echtes Highlight, wobei mir persönlich sogar das Single Cask 57 mit seinen fruchtigen Noten etwas besser gefallen hat, was aber natürlich auch ein wenig der Tagesform geschuldet sein kann. Insgesamt gab es in diesem Tasting aber sieben tolle Tropfen ins Glas, die nicht nur sehr charmant von Inhaber Andreas Bosch präsentiert wurden, sondern mir auch noch sehr gut gefallen haben und ganz nebenbei ein ausgesprochen gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

Ich wurde freundlicherweise kostenlos von Simple Sample zu diesem Online-Tasting eingeladen.

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